04.05.2021

Angerinsel wird zum Naherholungsort

In der Stadtratssitzung am 29.04.2021 wurden unterschiedliche Ideen präsentiert, wie die Angerinsel zukünftig aussehen soll. Geplant ist eine „grüne Oase“ als Verweilort und Treffpunkt für alle BürgerInnen. Das „Haus des Flusses“ findet dort keinen Platz mehr.

Die Sitzungen des Stadtrates wurden lange von der Angerinsel dominiert: „Wir beschäftigen uns schon Jahrzehnte mit diesem Projekt“, so erster Bürgermeister Benjamin Boml und führt fort: „Es ist endlich an der Zeit, dass wir eine Entscheidung treffen und Maßnahmen planen, damit unser Filetstück der Stadt auch seinen Namen verdient.“

Nach einem Arbeitsauftrag von Benjamin Boml wurden alle vier Fraktionen des Stadtrates dazu aufgefordert, Wünsche zu sammeln und an ihn weiterzuleiten. In der öffentlichen Sitzung wurden nun die einzelnen Vorschläge vom ersten Bürgermeister vorgetragen. „Vor meiner Amtsperiode beschäftigte sich der Stadtrat mit drei sehr kostenintensiven Hochbauprojekten. Eines davon ist das „Haus des Flusses.“ In der Vergangenheit wurden für dieses Projekt immer großzügige Förderungen in Aussicht gestellt. Jedoch erhielt ich nach zahlreichen Recherchen und intensiven Gesprächen mit Gerald Braun von der Regierung Oberpfalz die Auskunft, dass es für derartige Projekte keine Förderungen geben wird. Somit hätten wir die etwa drei Millionen Euro für das Projekt alleine tragen müssen.“ Außerdem wurde bekannt, dass vor der Amtszeit des aktuellen Bürgermeisters ein stufenloser Architektenvertrag für das „Haus des Flusses“ unterzeichnet wurde, welcher Stornierungskosten von knapp 125.000 Euro verursacht.

Dahingegen besteht eine Fördermöglichkeit der Außenanlagen. Von Seiten der Städtebauförderung ist eine Unterstützung von bis zu 80 Prozent der Freiflächengestaltung der Angerinsel und der städtebaulichen Aufwertung der Hochwasserschutzmaßnahmen im Rahmen der Förderrichtlinie in Aussicht gestellt worden. „Wir möchten auf der Angerinsel einen Ort für Jung und Alt schaffen. Einen Ort, der zum Verweilen einlädt und grüner Mittelpunkt der Stadt wird“, so Boml.

Die Planungen sehen einen Naherholungsort sowie eine Kultur- und Erlebnisstätte vor. Das „Haus des Flusses“ soll aufgrund der fehlenden Akzeptanz in der Region sowie der ausfallenden Förderung nicht gebaut werden. Diese Fläche wird stattdessen für mögliche zukünftige Ideen von Investoren offengehalten. Aus diesem Grund bietet sich zu Beginn eine Begrünung am Straßenrand mit einer Blumenwiese für Bienen an. Ein Biergarten, der von einem örtlichen Gastronomen geführt werden soll, stellt eine ideale Bewirtung der BesucherInnen dar. Eine Tribüne mit Blick zum Regen soll zum Verweilen auf der Angerinsel einladen. Über eine Wassertreppe werde diese erreichbar sein. Wasserfontänen ermöglichen eine Präsentation der unterschiedlichen Reize des Wassers. „Außerdem wünsche ich mir einen großen barrierefreien Erlebnisspielplatz für unsere Jüngsten“, so Benjamin Boml. Auf einem inklusiven Spielplatz können Kinder mit und ohne Einschränkungen spielen und sich auf Augenhöhe begegnen. Außerdem lernen dort die Heranwachsenden ganz selbstverständlich das gemeinsame Miteinander. So sind unter anderem Spielelemente mit Handläufen und großen Schaukeln, als auch verschiedene Orientierungssysteme für Kinder mit Seheinschränkungen möglich. Ein barrierefreier Spielplatz wäre zudem eine besondere Attraktion, da in Bayern bisher lediglich zwei solcher Projekte umgesetzt wurden.

„Während sich die Kinder auf dem Spielplatz beschäftigen, können die Eltern auf den Liegeflächen relaxen“, erklärt Benjamin Boml. Zur Ergänzung der beliebten Kanufahrten können ein SUP- und Ruderbootverleih angeboten werden. Zudem sollen Trauungen im Freien an der Angerspitze möglich gemacht werden.

Dr. Roland Gebhard, Fraktionssprecher der Freien Wähler ergänzt: „Die Angerinsel beschäftigt uns schon seit Jahrzehnten. Es gab zu diesem Thema Modelle, Architektenwettbewerbe und Wahlkämpfe. Doch dieses Mal hatten wir auch ein Ohr für unsere MitbürgerInnen und der Zuspruch war groß. Uns ist wichtig, dass die grüne Oase für alle zugänglich ist.“ Außerdem besteht die Vision von einem zentralen Areal. Die Angerinsel soll Mittelpunkt der Stadt Nittenau werden: „Wir, die Fraktion der Freien Wähler, stimmen dem Vorschlag gerne zu und freuen uns auf die Umsetzung.“

Christoph König, Mitglied im Bündnis 90/Die Grünen erwiderte: „Es muss endlich vorangehen. Wir befürworten die grüne Oase und unterstützen das Konzept.“

„Die CSU hat sich im letzten Wahlkampf klar gegen ein „Haus des Flusses“ ausgesprochen“, so Florian Hummel, stellvertretender Sprecher der CSU-Fraktion, und fügt hinzu: „Eine Finanzierung und ein entsprechender Unterhalt scheinen angesichts der Finanzlage der Stadt Nittenau schlicht nicht umsetzbar.“ Laut Hummel gehört sich das Filetstück der Stadt Nittenau endlich gewürzt und gebraten, damit die BürgerInnen dieses auch endlich genießen können.

Otto Götzer, SPD, erklärt: „Im westlichen Teil sind wir einer Meinung. Allerdings ist für die SPD-Fraktion die fehlende Bebauung im östlichen Teil nicht zielführend. Wir plädieren darauf, dass für die Angerinsel ein Gesamtkonzept erstellt wird.“ Florian Loibl, SPD, ergänzt: „Es ist gänzlich falsch, den Hochbau in die Zukunft zu verlegen. Es sollte ein Inselausschuss eingerichtet werden, welcher das gesamte Projekt plant. Auf die Investoren dürfen wir nicht warten, sondern müssen offen auf sie zugehen.“ Benjamin Boml erwidert darauf: „Ein geplanter Hochbau kommt für uns aktuell nicht in Frage. Die anfangs angedachte Kulturhalle haben wir bald im Dachgeschoss unseres Rathauses. Außerdem hat die Vergangenheit gezeigt, wie gering aktuell das Interesse der Investoren ist. Wir sollten nicht weiter auf den großen Heilsbringer warten, ansonsten kommen wir wieder nicht voran.“

Am Ende der Diskussionen wurde mit 15 Befürwortern und drei Gegenstimmen entschieden, dass der Vertrag mit dem Architekturbüro gekündigt wird und bis auf weiteres kein Hochbau auf dem Gelände vorgesehen ist. Des Weiteren wird der Bürgermeister beauftragt, in Abstimmung mit der Städtebauförderung der Regierung der Oberpfalz, mit dem bereits beauftragten Landschaftsarchitekturbüro in Kontakt zu treten und die gesammelten Gestaltungsvorschläge in die Planungen der Angerinsel einließen zu lassen. Abschließend erklärt Boml: „Ich bin froh, dass ich endlich mein Wahlversprechen erfüllen kann: kein „Haus des Flusses“ auf unserer Angerinsel.“

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