15.09.2021

Drei-Tages-Radtour des Städtepartnerschaftsvereins

Ein Bericht von Hans Hien, Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins Nittenau

Eine wunderbare und erfolgreiche Tour zum richtigen Zeitpunkt. Sie wurde „Coronafrei“ und ohne große europäische Krise gestartet und erfolgreich beendet. Eine Woche später und die Radtour wäre buchstäblich „ins Wasser gefallen“, denn Tschechien hat seit Montag Deutschland auf seiner Corona-Ampel als rotes Land mit hohem Ansteckungsrisiko eingestuft. Größte Herausforderung waren nicht die schlechten Wetterverhältnisse, sondern die Corona – Schnelltests innerhalb vorgeschriebener Zeiträume unterzubringen. Drei Grenzüberschreitungen, zwei Übernachtungen und die Mittagessen in Gaststätten in verschiedenen Ländern und Landkreisen führten zu unterschiedlichen „Corona-Regeln“ die es zu berücksichtigen galt, ungeachtet der Abstandsregeln und Hygienevorschriften. Auch das wurde von den disziplinierten Jugendlichen bravourös gemeistert. Ein super Team von 20 jungen Leuten, die trotz widrigen Witterungsverhältnissen alle eine fantastische und unvergessliche gemeinsame Fahrt und Begegnung erlebt haben. Der Kreis der Jugendbegegnungen zwischen den Partnerstädten wird immer größer. Scheinbar kann sie nichts aufhalten.

Hans Hien, der Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Nittenau und Organisator der Drei-Tages-Radtour mit rund 220 km Wegstrecke sagte: „ Ich bin überwältigt von der Tour, vom Ablauf, dem Ergebnis und dem Empfang in Prestice und Nittenau, vor allem aber vom Betreuerteam und den Jugendlichen.“ Hans Hien weiter: „Bei der Zusammenstellung der Teilnehmerliste der Jugendlichen hatte ich leichte Zweifel, ob alles reibungslos abläuft, da nämlich die 11 tschechischen Mädchen und Jungen alle vom Radsport-Club der Region Prestice waren und dreimal wöchentlich zwischen 40 km und 80 km Radsport-Training absolvieren. Die neun Nittenauer konnten da aber mithalten, weil sie großen Ehrgeiz entwickelten und alle im Team unterwegs waren“. Sie hielten zusammen und halfen sich gegenseitig, wo es ging, um gemeinsam die Strecke zu bewältigen und wohlbehalten ans Ziel zu kommen. Ziel war nicht nur die Stadt Nittenau, sondern sich Kennenlernen, Freundschaften gründen, den Sinn der Fahrt – freies und sicheres Europa – und darüber hinaus, zu verstehen und zu verinnerlichen. Aber auch die reizvolle und unberührte Landschaft entlang der beiden Quellflüsse Uhlava und Regen zu genießen. Beide entspringen rund 600 m voneinander entfernt am Pancir, der ungefähr so hoch ist wie der Arber, „All das ist bestens gelungen“, so Hans Hien. „Ein weiteres Etappenziel für ein freies und sicheres Europa ist erreicht“.

Die Jugendlichen und ihre Betreuer mussten früh aufstehen. Bereits um 05.30 Uhr war ein „Corona-Schnelltest“ angesagt und ab ging es für die Nittenauer mit zwei Kleinbussen zur Partnerstadt nach Prestice. Dort war bei strömenden Regen ein großer Empfang im Rathaus vorbereitet, wo sie von den beiden Bürgermeistern Naxera und Krivda sowie den Tour-Teilnehmern und Freunden erwartet wurden. Ab ging es bei Wind und Regen, nicht wie geplant über die Schleichwege an der Uhlava entlang, da es dort sehr matschig geworden war, sondern auf der Landstraße entlang der Uhlava über grüne Wiesen und Auen bei Prichovice, Luzany mit dem Schloss Luschan und Borovy nach Svihov zur größten Wasserbug Böhmens. Dort wurde das Schloss, ein ehemaliger Adelssitz, besichtigt. Der Rundgang begann mit der roten Bastion, führte durch die Gemächer der Schlossdame und über die Küche zur Rüstkammer. Vom Schlossturm aus konnte erstmals ein weiter Blick auf das Tal des Flusses Uhlava geworfen werden. Interessant für die Jugendlichen war auch zu hören, dass diese Wasserburg als Drehort für den Film „Drei Haselnüsse für Aschenputtel“ den Hintergrund stellte.

Schön langsam hörte der Regen auf. Es war aber immer noch windig und nasskalt. Hier merkten wir gleich, wer durchtrainiert war und wer nicht. Nach dem langen Aufenthalt wurde fest in die Pedale getreten, wollten wir doch zum Mittagessen das noch ca. 30 km entfernte Nyrsko, vor dem gleichnamigen Stausee, der die Region bis Pilsen mit Trinkwasser versorgt, erreichen. Dort angekommen waren alle wieder durch den Fahrtwind getrocknet. Vor uns lagen jetzt noch runde 27 km bis zur Bergspitze des Pancir und es begann wieder zu regnen. Das tat unserer Fahrfreude aber keinen Abbruch. Die Landschaft neben dem plätschernden Fluss und die Vorfreude auf die Horska chata beflügelte die jungen Radler, den letzten steilen Anstieg zu meistern. „Wohlgemerkt ein Kraftakt, mit meinem 30 Jahre alten Fahrrad“, sagte Hans Hien. „Die Jungen rauschen mit ihren modernen Rädern alle an mir vorbei“.

Die Flüsse Uhlava und Regen starten zwar auf dem Berg Pancir, fließen aber in entgegengesetzte Richtung. Sie haben aber viel gemeinsam. Das gleiche konnten wir quasi von den Teenagern sagen. Beide sprechen zwar eine andere Sprache, haben aber auch sehr viel gemeinsam. Und das, was uns verbindet, wollten wir während der Radtour und den beiden Abenden auf der Horska chata Pancir und dem Jugendhaus am Kugelbach herausfinden und hervorheben. Da wir auf beiden Hütten als Gruppe alleine und ohne weitere Gäste einquartiert waren, sind wir uns ungestört und spielerisch, beflügelt durch erfahrene Betreuer, nähergekommen und haben Freundschaften gegründet. Deutsche und tschechische Jugendliche durchmischten sich nicht nur an den Tischen beim Essen, sondern auch bei den jeweiligen Spielen im Innenraum und auch Außen auf der Wiese und am Lagerfeuer, das extra für uns vorbereitet war und von den Betreuern fleißig geschürt wurde.

Am zweiten Tag schönes Wetter und klare Sicht, weit nach Tschechien hinein und zum Arber. Die Vorfreude war groß, hieß es doch: „jetzt geht es immer bergab“. Nun, so einfach war es auch wieder nicht. Kleine Anhöhen waren schon zu bewältigen. In Zwiesel angekommen schnell „Corona-testen“ und weiter nach Regen. Jetzt hieß es ausruhen und die Landschaft von der Waldbahn aus zu genießen. Schnell wurden die Räder in den Anhänger des Begleitwagens verfrachtet und in die Waldbahn eingestiegen. los ging es, ganz nah an der Teisnach und dem schwarzen Regen entlang, sehr idyllisch zum Verweilen. Da müssen wir nochmals hin, und zwar mit dem Fahrrad, so der Tenor einiger Erwachsener. Die Jungen und Mädchen waren derweilen allesamt in ein Wagonteil eingestiegen und völlig autark von den Begleitern. Auch mal Ruhe haben und auf eigene Art und Weise kommunizieren, trotz unterschiedlicher Sprachen. Das funktionierte sehr gut, über Gesten und Englisch. Sie verstanden sich einfach. Am Ende der Bahnfahrt bot sich eine besondere Kulisse, das Adventure-Camp Schnitzmühle, bei dem die Mittagspause zum Ausruhen ausgenutzt wurde, um den langen und steilen Anstieg bis zum Jugendhaus am Kugelbach bewältigen zu können. Vorher mussten aber die Fahrräder wieder ausgeladen werden. An dieser Stelle einmal ein herzliches Dankeschön an die Betreuer und die Begleitfahrzeugfahrer. Sie haben großes geleistet, waren immer pünktlich zur Stelle und haben die Jugendlichen hervorragend versorgt.

Ein kleiner Bach vom Wald herkommend, durch die Wiese fließend und mit sanftem geplätscher weiterziehend, direkt an den Hütten, in denen wir übernachteten, vorbei, einfach schön, zum Ausharren und Genießen. Das ist der Kugelbach, der über den Klinglbach in den Regen mündet. Wir waren alle wieder an die Quellflüsse zurückversetzt, konnten wir sie doch bei nächtlicher Ankunft und strömenden Regen nicht besichtigen. Den kleinen Bach durchwaten und anschließend am Lagerfeuer trocknen war schon schön. Jetzt brauchten die pfiffigen Betreuer die Spiele nur noch ansagen. Die Heranwachsenden verständigten sich, teilten die Gruppen ein und führten die Spiele eigenständig durch. So funktioniert Völkerverständigung. Die Erwachsenen waren aber stets eingebunden, spielten mit und freuten sich, wenn auch sie einmal gewinnen durften.

Die letzte Etappe über rund 75 km war eigentlich leicht, so dachten sich die Teilnehmer. Vom Kuglbach steil bergab, die alte Bahnlinie entlang zum Blaibacher Stausee und über Pullach weiter nach Miltach. So einfach. Das war aber nicht so, leider schwieriger als gedacht. Eiskalt, starker Gegenwind und Regen, dagegen musste man ankämpfen und sich an den Verpflegungsstationen in Chamerau und Cham aufwärmen und zuletzt auch umziehen. Gut gegessen, getrocknet und ausgeruht, wurde bei teilweisem Sonnenschein aber immer noch Gegenwind zum Endspurt nach Nittenau angesetzt. Schnell noch vom Pitzlinger Turm bei Wulfing Ausschau gehalten und bei der Wallfahrtskirche Heilbrünnl aufgetankt und schon war der letzte größere Anstieg schnell bewältigt. Kurz vor Zenzing ein kurzer Stopp zum Fotographieren der Gruppe vor einer noch intakten Mühle am Regen und weiter über Kirchenrohrbach nach Walderbach und Reichenbach. Was wird uns in Nittenau erwarten? In Tiefenbach angekommen. Hoppla, wer filmt uns da mit einer großen Kamera. Der OTV. Das war eine Überraschung. Was wird da noch kommen? Beim letzten Stopp vor der Regen-talhalle in Nittenau formierte sich die ganze Gruppe. Voraus der Kleinbus der Begleitfahrer Georg Dirnberger und Dr. Gerhard Jutz. Anschließend der Organisator Hans Hien mit der tschechischen Betreuerin und Dolmetscherin Pavla Kroupova, dann angefangen von den 10-Jährigen aufsteigend bis zu den 17-Jährigen. Dahinter die deutschen und tschechischen Betreuer Franz-Josef Kugler und Karl Bley, Jiri Kroupa, Vitezlav Opalko und Jiri Bruna sowie das Begleitfahrzeug der Tschechen mit Pavol Macejovsky. Große Überraschung bei der Ankunft. Mit Fahnen, Fähnchen, viel Aplaus und dem Fernsehen wurden wir bei der Einfahrt auf dem Marktplatz direkt vor dem Pfarrheim herzlichst vom Bürgermeister Benjamin Boml und den Eltern der Nittenauer Teilnehmer sowie Freunden empfangen. Im Pfarheim wurde ein kurzes Resümee gezogen und allen gedankt. Das besondere aber war für jeden Teilnehmer eine goldene Urkunde für die Teilnahme an so einem für die Menschheit wichtigen Projekt nämlich für ein „freies und sicheres Europa“. Am Schluss wurden die tschechischen Teilnehmer verabschiedet und bei der Ausfahrt mit dem Bus Spalier gestanden. Ein rundum gelungenes Projekt für, mit und durch junge Menschen.

Hans Hien: „Das nächste Projekt steht schon an. Die Begegnung von bayerischen und tschechischen Kindergärten aus Skocice, Prestice und Nittenau mit Sprachanimation und Besuch des Pilsner Zoos.“ Auch hier liegt der Stadt Nittenau eine Förderzusage durch EUREGIO EGRENSIS vor.

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