08.08.2022

Hoher Besuch aus Proszowice, Polen

Ein Bericht von Hans Hien, erster Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins e.V.

Die Freundschaft zwischen Proszowice, einer Stadt in der Woiwodschaft Kleinpolen und Nittenau, wurde durch eine Begegnung auf kommunaler Ebene aufgefrischt und vertieft. Ein erstes persönliches Kennenlernen der beiden Bürgermeister Grzegorz Cichy und Benjamin Boml.

Am Mittwoch, den 27. Juli 2022 war eine Delegation aus Proszowice, einem Vorort von Krakau, mit ersten Bürgermeister Grzegorz Cichy, Vorsitzenden des Stadtrates Krzystof Woitusik, Marketingleiterin Ewa Oleksy-Baranowska, und Deutschlehrerin am Gymnasium, Anna Szanca-Trzeciak nach Nittenau gekommen. Vorher waren sie bei ihrer Partnerstadt Fichtenberg in Baden-Württemberg zu Besuch. Auf dem Rückweg nach Proszowice besuchten sie auch Nittenau. Vorausgegangen waren mehrere Begegnungen in Proszowice und Nittenau.

Im neuen Sitzungssaal wurden sie vom ersten Bürgermeister Benjamin Boml im Beisein von Stadt- und Kreisrätin Elisabeth Bauer, der Dolmetscherin Barbara Dudkowski und Hans Hien, aufs herzlichste begrüßt. Nach den Imagefilmen „Oberpfälzer Seenland“, „Landkreis Schwandorf“ und „Stadt Nittenau“ sagte Bürgermeister Grzegorz Cichy, dass er vor der Fahrt im Internet über Nittenau nachgeschaut und dabei eine ähnliche Struktur wie bei ihnen festgestellt hat. Ländlich, Gemüseanbau, Industrie und Gewerbe, ca. 25 km Entfernung zur Großstadt Krakau und viele Gastarbeiter aus Rumänien und der Ukraine. Die derzeitige übergroße Anzahl von mehr als 1.500 Flüchtlingen aus der Ukraine ist eine große Herausforderung bei sechstausend Einwohnern in der Stadt und zehntausend auf dem Umland.

Der Vorsitzende des Stadtrates Herr Krzystof Woitusik war sehr beeindruckt über die Aufarbeitung der Vergangenheit, insbesondere durch die Nittenauer Kommune und deren Bevölkerung. In Proszowice ist das erst in den letzten Jahren publik geworden. Einerseits durch den Unterricht von Franz Probst im Gymnasium der Schule in Proszowice und andererseits durch die bisherigen weiteren Begegnungen in Nittenau und Proszowice. „Das finde ich sehr gut“, sagte er.

Hans Hien zeigte den beiden Bürgermeistern und Gästen einen Bericht mit vielen Fotos vom letzten Besuch in Proszowice bei dem das Kreuz durch stellvertretenden Landrat Arnold Kimmerl der Schule übergeben wurde. Auch das Rollup mit den Partnerstädten und Freundschaften. Sein besonderes Engagement sich um die Begegnungen zwischen Deutschen und Polen zu kümmern ist nicht zu übersehen. Er meinte: „Ich würde mir sehr wünschen, dass Viele den müßigen und unsinnigen Tod von Menschen durch Begegnungen und Austausch mit Leben, Vergebung und Freundschaft erfüllen. Da ist nicht nur grenzübergreifende Solidarität geboten.“

Dann ging es nach Bodenstein wo Zygmunt Marzec als Zwangsarbeiter beschäftigt war, direkt zum jetzigen Wohnhaus der Familie Probst, das damals noch Wirtshaus war. In der Gaststube, in der uns Franz Probst die Geschichte erzählte, wie es zu der Denunziation gekommen ist, sind noch die originalen Sitzbänke erhalten, das Telefon leider nicht mehr.

Nicht weit davon entfernt, nach dem Richtberg mitten im Wald, wo Zygmund am 12. November 1942 ermordet wurde, stiegen wir aus. Die hiesige Bevölkerung wurde damals von der Hinrichtung ausgeschlossen. Nur die Zwangsarbeiter aus der Region mussten zusehen.

An diesem Ort, wo ein Gedenkstein steht, wurde die Geschichte nochmals aufgerollt. Franz Probst erzählte, wie es zum Aufstellen eines Holzkreuzes durch Mathias Stadler bis zur Einweihung des Gedenksteines kam. Bürgermeister Grzegorz Cichy hatte einen wunderschönen Kranz und Krzystof Woitusik ein Grablicht mitgebracht.

Die „Zeremonie“ vor der Gedenkstätte des Zygmunt Marzec war ergreifend, als Bürgermeister Grzegorz Chichy sich nach der Kranzniederlegung vor dem Gedenkstein verneigte und mit dem „Vater unser“ auf Polnisch und „die ewige Ruhe gib…“ alle Anwesenden in den Bann zog. Große Stille.

Kurz darauf erwartete sie im Regental-Gymnasium bereits der Leiter der Schule, Oberstudiendirektor Frank Fiedler. Er hatte viele Fragen zu beantworten was die Schule betraf. „2018 hat eine Klasse aus Proszowice das Regentalgymnasium in Nittenau besucht, dabei wurde zum Gegenbesuch eingeladen“, meinte Hans Hien. Herr Fiedler sagte, er stehe dem ganz aufgeschlossen gegenüber. Meistens werden solche Fahrten wie nach China, USA oder wie zuletzt nach Uganda im Rahmen eines W- oder P-Seminars sofern möglich, durchgeführt.

Noch ein kurzes Gemeinschaftsbild und schon ging es zurück zum Storchenturm und Marktplatz mit Torbrunnen ins Stadt-Café zu Kaffee, Eis und Kuchen.

Jetzt hatte man sich schon aneinander gewöhnt. Die Zeit war viel zu kurz. Aber neun Stunden Fahrt bis nach Hause gebot, sich zu verabschieden. Herzliche Umarmungen folgten. Bürgermeister Grzegorz Cichy hat die Nittenauer mit ihrem Bürgermeister ganz offiziell zu einem Gegenbesuch eingeladen.

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