Aktuelles
75 Jahre Volksfest Nittenau





In der Sitzung am 9.11.1950 beschloss der Marktrat die Abhaltung eines Volksfestes im Jahre 1951. „In dem Bestreben, das wirtschaftliche und kulturelle Niveau des Marktes Nittenau zu heben, beabsichtigt der Marktgemeinderat im Jahre 1951 ein Volksfest in Nittenau zu veranstalten, das sich auf 8 Tage erstrecken soll. Die Bevölkerung soll aufgerufen werden, einen Festausschuss zu bilden, der für den Festverlauf verantwortlich ist und mit den Vorarbeiten baldmöglichst beginnen soll.“
Es wurde eine öffentliche Versammlung im Gasthaus Jakob einberufen und ein Ausschuss gewählt, der für die Durchführung verantwortlich sein sollte. Es galt der Grundsatz:
„Entweder ein anständiges Volksfest oder keines!“
Der Organisationsleiter Hans Hochmuth beschrieb in seinem 4-seitigen Abschlussbericht die Schwierigkeiten aber auch die Höhepunkte des Festes. Man hatte sich einiges von Roding abgeschaut, die bereits 1950 ein Volksfest veranstalteten. Die Festwirte Ludwig Pirzer und Georg Balk, die mit der Übernahme des Festzeltbetriebes ein gewisses Risiko übernahmen, wurden gleich am ersten Abend stark gefordert. Im Beisein von Landrat Dr. Kiener zogen die Festwirte Ludwig Pirzer und Georg Balk mit Gefolge, der Festausschuss, die Vereine und ein Großteil der Bevölkerung am Nachmittag unter den Klängen der Ruhmannsfeldner Blaskapelle zum Festplatz. Das Bier war ein wirkliches Festbier (Maß 1,30 DM) und die Küche (Max Kleber jun.) hatte für das leibliche Wohl bestens gesorgt. Bei herrlichem Wetter war der Start des Volksfestes gut gelungen.
Um 19 Uhr zogen dunkle Wolken gegen Osten auf und um 19.30 Uhr setzte ein Sturm ein, der das Festzelt in wenigen Minuten dem Erdboden gleichmachte. „So groß das Unglück war, so groß war das Glück, dass niemand beim Einsturz zu Schaden kam“, schrieb der Festleiter in seinem Bericht. Strömender Regen setzte ein und an diesem Abend war es vorbei mit dem Volksfest. Viele Beteiligte verließ der Mut und eine Weiterführung des Volksfestes erschien fraglich. Die Nacht wurde zur Beratung genutzt und am nächsten Morgen wurde durch das tatkräftige Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr Nittenau das eingestürzte Zelt beseitigt und ein neues aufgestellt, sodass am Abend die Kapelle wieder ihren Platz einnehmen konnte. Mit Schotter und Sägemehl wurde der Festplatz trockengelegt und das Fest lief weiter.
Ein umfangreiches Programm wurde an diesen 8 Tagen geboten. Neben dem Tag des Sports gab es einen Bauerntag mit Viehprämierung, eine Landwirtschaftsschau, eine Handwerks- und Gewerbeschau mit 45 hiesigen und 5 auswärtigen Ausstellern, einen Tag der Heimatvertriebenen, einen Kindertag mit eigenem Kinderfestzug, einen Tag der Gemeinden, einen Sängertag, einen Schützentag und den Gautag der Feuerwehr mit über 100 Feuerwehren. Nittenau hat wahrscheinlich noch nie so viele Menschen an einem Tag gesehen. Man schätzte an die 8 – 10.000 Personen.
Nach einer einjährigen Pause fand 1953 und dann 1957, 1961, 1965, 1967, 1969 wieder ein Volksfest statt. Waren es erst noch informative Vorführungen und Veranstaltungen, änderte sich das Programm der Volksfeste mehr aufs Vergnügliche. So wurden die Festwirte bis in die 70er Jahre verpflichtet am Montag einen bunten Abend mit namhaften Künstlern des Bayerischen Rundfunks zu engagieren. So waren die Ernie Singerl, der Roider Jakl, der Blädl Schorsch und viele andere schon zu Gast in Nittenau.
In der Ära der Festwirte Ludwig Pirzer und Josef Lösl (1965 – 1970) wurden jeweils eine Flugreise nach Spanien verlost. 1970 wurde erstmals ein Länderspiel (Deutschland – Ungarn) auf einem Farbfernsehgerät im Bierzelt übertragen. Auch die Wahl einer Volksfestkönigin sorgte für ein volles Zelt. Der Bierpreis war auf 2,40 DM gestiegen.
Von 1971 bis 1975 fungierten Hans Piendl und Fritz Eichinger als Festwirte. Sie versuchten es einmal mit dem Ausschank von Erl-Bräu, kehrten aber wieder zum Nittenauer Bier zurück. Aber sie verlegten den bisherigen September-Termin auf Juli vor. Dennoch sollte es 1974 wegen Hochwasser zur Verschiebung des Eröffnungstermins kommen, da der gesamte Volksfestplatz überflutet wurde.
1976 kam bei den Festwirten Peter Bock und Georg Schmidbauer wieder Erl-Bräu zum Ausschank. Im folgenden Jahr Folgejahr war Georg Schmidbauer alleine Festwirt. 1978 übernahm mit Ignaz Widmann aus Neustadt an der Donau zum 2. Mal ein Nicht-Nittenauer nach 1961 (Karl Meyers aus Ingolstadt) die Geschäfte des Festwirts. 1979 zum 75-jährigen des TSV Nittenau übernahmen der TSV zusammen mit dem Schützenverein 1865 Nittenau die Geschäfte des Festwirtes. 1980 wurde es mit dem neuen Gastronomen Simon de Francesco und Gerd Schmatz als Festwirte international. Francesco führte 1981 die Geschäfte des Festwirtes allein und es kam Häring-Bräu zum Ausschank.
Dann begann mit Dieter Jochmann aus Maxhütte-Haidhof die Ära der auswärtigen Festwirte. Er verlegte den Termin des Volksfestes auf Mitte Juni vor und führte die Geschäfte des Festwirts, unterbrochen nur durch das 125jährige Jubiläum des Schützenvereins 1865 Nittenau, bis 1996. Auf ihn folgte Peter Engl bis zum Jahr 2011. Auf seinen Antrag hin wurden im Jahr 2005 die Tradition des Feuerwerks (seit 1951) und das Pferdegespann mit Bierwagen aus Kostengründen abgeschafft. Im Jahr 2009 fungierte der Schützenverein Edelweiß Bergham zu seinem 100jährigen Jubiläum als Festwirt. 2012 übernahm Alois Hamperl aus Ebersroith für 2 Jahre die Verantwortung, ehe Daniel Feuerer aus Teublitz bis 2024 die Geschäfte des Festwirts übernahm. 2025 konnte man nach über 40 Jahren mit Sebastian Jakob, dem Braumeister des Brauhauses Nittenau wieder einen Nittenauer als Festwirt verpflichten.
Die Geschichte der Schausteller beginnt 1953 mit der Firma Poppek aus Furth im Wald, die bereits damals Autoscooter und Kettenflieger nach Nittenau brachten. 1973 übernahm dann die Firma Leichtenschlag aus Roding, ab 1993 führte Peter Böhm aus Cham die Schausteller und seit 2014 trägt Adolf Sonntag die Verantwortung.
Vertraglich zugesichert wurden die Stellplätze der Nittenauer Betriebe. Die Schießhalle Fuchs, der Imbiss Kreuzer, dann der Imbiss Hammerschmid, der Losstand des BRK Nittenau und Caritas und nicht zu vergessen der Eiswagen der Käthi Jehl aus Fischbach hatten auf dem Nittenauer Volksfest ihre festen Plätze.
Heute nach 75 Jahren kann man feststellen, dass sich außer den Preisen (1951 Maß Bier 1,30 DM – heute 10,80 €) nicht viel geändert hat. Es ist und bleibt ein Fest für die Familien in Nittenau und Umgebung nach dem Grundsatz: „Entweder ein anständiges Volksfest oder keines!“ Wir wünschen viel Vergnügen! Ihr Stadtadrchivar Hermann Riedl.





