Stadtmuseum Nittenau

Das Museum ist nur saisonal
geöffnet und daher seit dem
9. Oktober 2017 geschlossen.

Eröffnung der neuen Sonderausstellung
Mittwoch 2. Mai 2018

 

 

Dauerausstellung

Stadtgeschichte

Stadtgeschichte

Die erste Erwähnung Nittenaus datiert in das Jahr 1007. Der spätere Kaiser Heinrich II. schenkte dem neugegründeten Bistum Bamberg den Ort Nittenau mit umfangreichem Waldbesitz. Ausgestellt ist die Kopie der Urkunde, das Original befindet sich im Staatsarchiv Bamberg.

Das hölzerne Stadtmodell basiert auf dem Grundriss des Katasterblattes von 1832 und zeigt in Rekonstruktion eine Vielzahl von Häusern, wie sie auf alten Fotos überliefert sind. Viele dieser prägenden Bauten sind mittlerweile abgerissen oder modernisiert. In einigen Details lässt sich die Stadtentwicklung ablesen. Die Ummauerung, wohl im 15. Jahrhundert angelegt, verhinderte die Siedlung nach außen. Die drei gotischen Stadttürme markieren die Hauptverkehrsrichtungen. Der alte Weg von Regensburg nach Böhmen führte bei Nittenau über den Regen.

Die Stadtansicht, ein Ölbild aus dem Dekanat Cham, zeigt die bekannte Silhouette Nittenaus.

Der Stadtgeschichtsraum wird mitunter in die Sonderausstellung einbezogen, davon zeugt noch die Nachbildung der Beleuchtungssituation (im Stadtmodell) von 1909, dem Jahr, als der elektrische Strom in Nittenau Einzug gehalten hat.

Mehrere einschneidende Ereignisse prägen den Ort und das historische Bewusstsein seiner Bürger. Eines davon ist sicherlich das Rückzugsgefecht der Österreicher gegen die Franzosen 1809. Ein Diorama, orientiert an einer bekannten Graphik, zeigt Kampfgetümmel auf dem heutigen Marktplatz. Originale Kanonenkugeln und ein Eingerichte mit Flintenkugeln zeugen von dem grossen historischen Engagement des Nittenauers Franz Michael Loritz (1856-1926), das nicht hoch genug bewertet werden kann. Viele wissenschaftliche Studien fussen auch heute noch auf seinen Darstellungen.

Das Aquarell aus seiner Hand war lange in Familienbesitz, bis es 2007 an die Stadt Nittenau gestiftet wurde.

Religöse Volkskunst

Religöse Volkskunst

Die Abteilung „Religiöse Volkskunst“ wurde für die Sonderausstellungen 2017/18 aufgelöst. Die Votivbilder der sog. Jehl-Kapelle in Stefling sind nun am Ende des Gangs, vor dem Reichenbach-Raum (wertvolle Steingut-Sammlung) zu sehen, ebenso die Madonnenfigur von Maria Eich. Ein großes Ölgemälde mit der „Mariengeburt“ ist ebenfalls in die Sonderausstellung einbezogen und vor diesem Raum aufgehängt.

Das Stadtmuseum erhielt als Leihgabe der Bayerischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder den Ordenshabit des sel. Fraters Eustachius Kugler, der 1867 in Neuhaus (nun Stadt Nittenau) geboren wurde. Hut, Rosenkranz, Zingulum und Schuhe aus seinem persönlichen Besitz sind hier ausgestellt; eingebettet innerhalb der Sonderausstellung 2017 „… mit der Kirche im Dorf …“ in die Schar weiterer für den kirchlichen Dienst Berufener: Priester und Ordensleute aus der Pfarrei Nittenau (mit Fischbach).
In diesem Raum wird auch das Leben der Therese Mauser (1831-1917) angesprochen, die nach 40jähriger Bettlägerigkeit vor 100 Jahren starb.

Reichenbacher Steingut

Reichenbacher Steingut

Die Produkte der Manufaktur im nahen Reichenbach am Regen bilden einen Sammlungsschwerpunkt. 1841 hatte Heinrich Waffler, aus der Regensburger Fabrik am Singrün stammend und bereits in Hirschau unternehmerisch tätig, das neue Werk im Komplex des ehemaligen Klosters gegründet. Ca. 60 bis 70 Arbeitern gab er somit Arbeit, bis er ab 1858 in Regensburg eine neue Firma aufbaute und in Reichenbach nur bis ca. 1862 weiterproduziert wurde. Joseph Aumüller, „Klosterbräuer“, begann ab 1863 in anderen Klostergebäuden wiederum die Steingutproduktion, die aber nur einige Jahre währte. Ein Neubeginn Wafflers und seiner Besitznachfolger in Reichenbach dauerte von 1869 bis 1883, so dass man von einer älteren und einer jüngeren Phase der Fabrikation sprechen kann.

Das Steingut ist durch einen Pressmarke im Boden „Reichenbach“ oder auch „Regensburg“ (vgl. Tischvitrinen in der Raummitte) zuzuordnen, selten findet sich „REICHENBACH“.

Der Formenschatz ist vielfach gleich mit anderen Produktionsstätten. Das Dekor reicht über „weiße Ware“, die meist nur mit Flachreliefdekor (Weinlaub-/Blütenranken) oder durchbrochenen, d.h. ausgeschnittenen Fahnenrändern verziert sind, über Bemalung bis zu Umdruckvarianten.

Besonders der „Reichenbacher Pfau“ steht für die Gruppe der frei gemalten Geschirre, auch geschwämmelte Verzierungen sind hier nachgewiesen. Die größte erhaltene Gruppe sind die Dekorteller und Geschirrteile im Umdruckverfahren, hier wiederum die Veduten nach Stichvorlagen. In schwarz oder blau, selten grün, sind die Landschaftsansichten (rund gestaltet) in der Mulde eines Tellers, den Rand (Fahne) zieren unterschiedliche Dekore. Öfters erhalten hat sich die Ansicht des produzierenden Reichenbacher Klostergebäudes.

Veröffentlichungen:

Reichenbacher Steingut, 1991
Steingut. Geschirr aus der Oberpfalz, 2004

Geologische Abteilung

Geologische Abteilung

In drei Räumen im Erdgeschoss sind die Bodenschätze unserer Umgebung gesammelt und in das geologische Bezugssystem gestellt. Flussspat wurde neben Nabburg und Donaustauf auch in Nittenau abgebaut, auch Schwerspat ist hier 1924 entdeckt worden. Die Gruben Corona am Kaaghof und Paul (Stefling) sind nur hier dokumentiert. Südlich von Nittenau, bei Roßbach, lagen die Dioritsteinbrüche, die bis 1983 für die Schotterproduktion der Fa. Schwinger wichtig waren. Ein Spalthammer im Museumsgarten diente einst der Herstellung von Pflastersteinen.

Der zweite Raum gibt Auskunft über die Einteilung der Gesteine, die Erdzeitalter, die geologischen Verhältnisse und die Landschaftsentwicklung im südwestlichen Teil der Oberpfalz. Auch der Bayerische Pfahl, vom Südrand des Naabgebirges bei Nabburg bis ins Mühlviertel reichend, ist dokumentiert, außerdem der Eisenerzabbau der „Bucher Zeche“ nördlich Bodenwöhr.

Wirtschaftlich von großer Bedeutung in unserem Raum war die Braunkohlegewinnung. Ein Bergmann und ein Kohlewagen (Bergmannshunt) der Strecke Maxhütte-Haidhof vermitteln den Arbeitsalltag. Unsere Braunkohle ist ca. 20 Millionen Jahre alt und entstand aus Sumpfwäldern in schmalen Talrinnen.  Zu den bemerkenswertesten Funden zählt das fossile Blatt einer tropischen Ingwerpflanze (Zingiberoideo-phyllum liblarense KRÄUSEL und WEYLAND). Auch die Radioaktivität wird im dritten Raum thematisiert, war doch auch in unserem Raum (westlich von Neunburg v. W.) bis 1983 ein Untersuchungsstollen auf Uranerze in Betrieb.

Veröffentlichungen:

G. Eigler, Die Dioritsteinbrüche von Roßbach, 1981 (vergriffen)
G. Eigler, Die Braunkohle in Ostbayern, 1984
G. Eigler, Gablonzer Schmuck, 2002
Über die Radioaktivität, 2. Aufl. 2009 (fast vergriffen)

Schusterwerkstatt

Schusterwerkstatt

Die volkskundliche Abteilung gliedert sich in mehrere Bereiche. Die Textilien in den Vitrinen geben einen Blick auf das Festtagsgewand unserer Vorfahren frei, das aus edlen Stoffen mit aufwendigen Handarbeiten bestand. Ein Webstuhl dient als Hinweis auf diesen Heim-Erwerbszweig, zu erinnern ist auch daran, dass die Lichtverhältnisse oft nicht ideal zum Arbeiten waren.

Zur Einrichtung einer „Bauernstube“ gehört der wohlgefüllte Wäscheschrank, mit noch ungenähtem Leinen, Wäsche und Bekleidung aller Art. Zu beachten ist auch das Vorhandensein von Wachsstöcken zwischen der Wäsche und die fixierten Heiligenbildchen auf der Türinnenseite.

In unserem Museum sind zwei Beispiele von Bauernschränken zu sehen, die aus unserer Gegend stammen.

Das meiste Geschirr bestand aus Keramik. Steingut gelangte erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts in die bäuerlichen Haushaltungen, als sich die Bürger allmählich Porzellan leisten konnten und die Steingutwerke sich auf den neuen Markt mit anderem Dekor einstellten (Andenkentassen und -teller, Tassen als Liebesgaben). Das übliche Geschirr aber war die etwas gröbere Keramik, die örtliche Hafner herstellten. In Nittenau gab es bis in dieses Jahrhundert zwei Hafnermeister, die als Töpfer und Ofensetzer arbeiteten: Franz Kagerer und Paul Häring.

Eine große Konkurrenz für das keramische Geschirr bildete das Emailgeschirr, in unserer Gegend das sog. Baumanngeschirr aus Amberg.  Diese Fabrik stellte schon bald alle Arten und Formen von Geschirr in den verschiedensten Dekors her. Am häufigsten jedoch waren die blauemaillierten Töpfe und Kannen.

Eine vollkommen eingerichtete Schusterwerkstatt bietet Anschauungsmaterial für eine jahrhundertealte Produktion, die in Nittenau recht ausgeprägt war.

Fischereiabteilung

Fischereiabteilung

Im Erdgeschoss ist ein Raum der Fischerei gewidmet. Ein großer präparierter Waller, der im Jahr 1975 aus dem Regen bei Treidling gezogen wurde, beherrscht den Raum. Mit 2,20 m und 114 Pfund ist er einer der größten, die im Regen gefangen wurden.

Auch einige zum Fischfang verwendete Geräte sind in der Fischereiabteilung ausgestellt. Fischreusen aus Maschendraht sowie aus Weidengeflecht stellen die eine Art des Fischfangs dar; die historischen Angelruten an der linken Wand eine andere. Ausgestellt ist auch ein Köderfischkessel aus Blech.

An der Zimmerdecke aufgehängt ist das selbst “gestrickte“ Netz eines Donaufischers, das als Leihgabe überlassen wurde.

Mehrere alte kolorierte Stiche, vermutlich Buchillustrationen um 1800, zeigen verschiedene bekannte Fischarten wie Aal, Barsch, Karpfen oder Zander. Ausgestellt sind auch noch zwei Störche und ein Fischreiher, die ihren Lebensraum am Wasser haben.

Zwei Aquarien sind mit lebenden Fischen ausgestattet, die vom Fischereiverein Nittenau betreut werden.

 

Von der gefährlichen Arbeit auf dem Wasser bei der Flößerei zeugen einige Fotos und mehrere Geräte, etwa die Fludererhaken. Die baumreichen Hänge entlang des Regens durch den ganzen Bayerischen Wald bis nach Regensburg forderten geradezu dazu auf, den Fluss als Wasserstraße zu nutzen. Eine Holztrift von Zwiesel nach Regensburg dauerte etwa einen Monat.

 

 

Sonderausstellungen

Sonderausstellungen

Sonderausstellungen (° mit Begleitschrift)

2017   ... Mit der Kirche im Dorf ... - Institution und Frömmigkeit

2016   Alles reine Kopfsache!?

2015    Kindheit und Jugend in Kriegs- und Nachkriegszeit
2014    rund um die Uhr °
2013    Von Annahaid bis Zell °
2012    Bureau – Büro
2011    Bettgeschichten
2010    Geliebt – gehasst – gesammelt: Barbie °
2009    Unter Strom – 100 Jahre Elektrizität in Nittenau °
2008    Von Mäusen und Menschen und anderem Getier – Wiltrud Rosers Bilderbücher
2007    Guat ei´gschenkt – Gastwirtschaften in Nittenau ° / 1007 und die Folgen
2006    Papier ist geduldig
2005    Kinder(t)räume
2004    Durch die Linse gesehen - Fotografien und Fotoapparate der
            Fotogeschichte ° / Reichenbacher und Regensburger Steingut °
2003    Als Mama Boogie Woogie tanzte - Erinnerungen an die 50er Jahre
2002    Gablonzer Schmuck (Gablonz a. N. – Neugablonz) °
2001    Technik der Vorzeit
2000    Auf`gspielt wird! 75 Jahre Stadtkapelle Nittenau °
1999    Familie der Zwerge
1998    Brauchtum im Jahreskreis
1997    Radioaktivität St. Joachimstal, Böhmisches Erzgebirge und
            Uranvorkommen in  Ostbayern ° [vergriffen, erweiterte Neuauflage 
            2009 „Über die Radioaktivität“ ebenfalls vergriffen]
1996    1000 Jahre Stefling °
1995    Schwarze Kunst im Buch – Scherenschnitt und Schattenriß ° [vergriffen]
1994    Altes Spielzeug, 120 Jahre Haus Rieder
1993    Gesundheitswesen in Nittenau vor medizinhistorischem Hintergrund °
1992    Das Feuerlöschwesen in Nittenau
1991    Reichenbacher Steingut °
1990    Fischbach – Herrschaft, Dorf, Stadtteil
1989    Burg Stockenfels ° [vergriffen]
1988    Das Schützenwesen in Nittenau ° [vergriffen]
1986    Alte Fotos von Nittenau ° [vergriffen]
1984    Die Braunkohle in Ostbayern ° [vergriffen]
1983    Eisenherstellung und Eisenhandwerk in Nittenau °
1982    Altes Spielzeug  
1981    Alte Postkarten /  Die Dioritsteinbrüche von Roßbach ° [vergriffen]